Diese Geschichte beginnt nach unserer Verlobung und dem Willen, aus Worten Taten werden zu lassen. Meine Verlobte ist Türkin, ich bin Deutscher. Es könnte auch so leicht sein. Man macht einen Termin beim Standesamt in einem der beiden Länder und wird verheiratet. Doch, wer hätte es geahnt, so leicht ist es dann doch nicht.

Dieser Text versteht sich als Warnung an alle, die eine binationale Hochzeit erwägen. Versteht mich nicht falsch, ich möchte niemanden davon abhalten, eine Frau oder einen Mann mit einem anderen Pass zu heiraten. Ganz im Gegenteil, ich finde das super. Aber ich wünschte, dass ein paar bürokratische Hürden dafür fallen würden. Und genau darum geht es: um Dokumente, Ämter und sinnlose Rennerei. Für jene, die keine unnötigen Wege gehen und kein überflüssiges Geld ausgeben möchten, soll unser Beispiel eine Hilfe sein.

Nachdem wir uns für einen Ort, in diesem Fall Istanbul, entschieden hatten, begannen wir, uns über die nötigen Unterlagen zu informieren. Neben Pass und Geburtsurkunde gibt es ein weiteres wichtiges Dokument, welches ich beim Standesamt vorlegen muss: Das Ehefähigkeitszeugnis, dessen Sperrigkeit im Namen schon Übles erahnen lässt.
Der Grundgedanke dieses Dokuments ist gar nicht so verkehrt. Es soll bestätigen, dass das Brautpaar auch im anderen Staat heiraten dürfte. Nach tagelanger Suche auf offiziellen Seiten des Auswärtigen Amts, Ratschlägen von Freund*innen und dem Lesen einiger Artikel zum Thema, waren wir nicht viel schlauer als zuvor. Fest stand, dass wir Dokumente meiner Verlobten benötigten, mit denen ich dann beim Standesamt meiner Heimatstadt das Ehefähigkeitszeugnis beantragen konnte.

Die vier größten Fehler – und wie man sie vermeiden kann

Der erste Fehler – Das Konsulat – Verlust: 30€
Doch um welche Dokumente es sich genau handelt, erfuhren wir nirgends. Auch nicht, als ich beim Generalkonsulat in Istanbul einen Termin machte, um mich bei „Experten“ zu erkundigen. Immerhin nennt die deutsche Auslandsvertretung auf ihrer Webseite vier Dokumente, allerdings nur mit deutschem Namen. Geburtsurkunde, Pass, Meldebescheinigung und Personenstandsregisterauszug. Beim Vor-Ort-Termin konnte (oder wollte) man mir die türkischen Bezeichnungen der beiden letzteren nicht mitteilen. Auch die Suche im Internet war ergebnislos, da widersprüchlich. Im Handaufhalten ist man im Konsulat allerdings nicht schlecht. Ich wurde dort um 30€ für die Beglaubigung einer Passkopie und das Ausfüllen eines Antrags (!) erleichtert.

Tipp #1: Geht nur ins Konsulat, wenn ihr nicht die Möglichkeit habt, mit dem Reisepass eures Partners/eurer Partnerin und den anderen Dokumenten zum Standesamt eurer Heimatstadt zu fahren und somit auf den Postweg angewiesen seid.

 

Der zweite Fehler – Welche Dokumente braucht man jetzt eigentlich?
Irgendwann und irgendwo (ich kann mich schon gar nicht mehr erinnern, wo genau) erfuhren wir endlich, bei welchen türkischen Ämtern wir die Unterlagen meiner Verlobten bekommen konnten und wie deren türkische Bezeichnungen lauteten. So bekamen wir die Geburtsurkunde (Doğum Kayıt Örneği Formül A) vom Standesamt (Nüfus İdaresi), den Personenstandsregisterauszug (Nüfus Kayıt Örneği) im Einwohnermeldeamt (Nüfus Müdürü) und die Meldebescheinigung (Yerleşim Yeri ve Diğer Adres Belgesi) beim Gemeindevorsteher (Mahallesi Muhtarlığı). Doch Obacht, die Meldebescheinigung brauchte mein Standesamt gar nicht, was ich leider zu spät erfuhr.
An dieser Stelle ein Lob an die türkischen Behörden, bei denen wir ohne lange Wartezeit und vor allem ohne jegliche Gebühren die Dokumente ausgehändigt bekamen. Die Geburtsurkunde gab es bereits in mehrsprachiger Ausführung, sodass wir nun einen Übersetzer für die übrigen Papiere suchen mussten.

Tipp #2: Auch wenn ich davon hörte, dass ein deutsches Standesamt eine in der Türkei angefertigte Übersetzung akzeptiert hatte, so ist das nicht die Regel. Auf Nachfrage bei meinem Standesamt wurde ganz klar gesagt, dass nur vom zuständigen Oberlandesgericht anerkannte Übersetzer*innen akzeptiert werden. Eine vermeintlich günstigere Übersetzung im Ausland könnt ihr euch wahrscheinlich sparen.

Der dritte Fehler – Es kommt auch auf den Standesbeamten an – Verlust: 70€
Bei einem Heimatbesuch erkundigte ich mich direkt beim Standesamt nach der richtigen Vorgehensweise. Ich zeigte den (überflüssigen) Antrag und die beglaubigte Passkopie vor, sowie die drei türkischen Dokumente, von denen die Geburtsurkunde bereits mehrsprachig ausgestellt war. Der Bearbeiter vor Ort erklärte kurzerhand das internationale Dokument für unnötig und schickte mich mit den beiden anderen Papieren zum Übersetzer. Ein grober Irrtum, denn als ich eine Woche darauf mit den Übersetzungen bei einem anderen Beamten erschien, wollte dieser meine teure Übersetzung der Meldebescheinigung gar nicht haben, sondern neben dem übersetzten Personenstandsregisterauszug eben jene internationale Geburtsurkunde. Die Hälfte der Übersetzungskosten waren also unnötig.

Tipp #3: Nehmt unbedingt zu allererst Kontakt mit dem für Ehefähigkeitszeugnisse zuständigen Bearbeiter oder dem Leiter des Standesamts eurer Heimatstadt auf. Fragt explizit nach, welche Dokumente dort erwartet werden und wo diese zu übersetzen sind. Lasst euch alles schriftlich geben, zur Not per Mail.

 

Der vierte Fehler – Das erstbeste Übersetzungsbüro ist wahrscheinlich das falsche – Verlust: unbekannt
Beim Standesamt hieß es noch, dass ich beim Übersetzungsbüro mit Kosten von 60-80€ zu rechnen hätte. So jedenfalls die Erfahrungswerte des Beamten. Ich googelte also das nächste gerichtlich anerkannte Übersetzungsbüro in der Stadt und gab dort meine Dokumente ab. Für die Auswahl des Übersetzers hätte ich mir besser mehr Zeit genommen. Denn als ich mich eine Woche später zunächst weigerte, die meines Erachtens überzogenen Kosten von 140€ für zwei überschaubare Seiten nebst Beglaubigungen zu bezahlen, wurde mein Fall ohne zugestellte Rechnung und ohne zugestellte Mahnung noch am selben Tag an einen Anwalt übergeben. Transparenz, Service und ein fairer Umgang mit Kunden sollten auch bei Dienstleistern der Übersetzungsbranche Standard sein.
Auch handwerklich war die Arbeit des Übersetzers eine Katastrophe. Meine beiden Seiten wurden an ein Übersetzungsbüro in Aachen weitergeleitet, da es in Neuss scheinbar keines gibt, welches türkisch-deutsche Übersetzungen anbietet. Berechnet wurde nach Zeile. (Den Zeilenpreis von 1,30€ netto konnte ich schon zuvor in Erfahrung bringen). Der Übersetzer in Aachen schaffte es nun nach allen Regeln der Kunst, die Übersetzung künstlich zu strecken. An fast allen Stellen wurden türkische Abkürzungen (z.B.
No.) in der Übersetzung voll ausgeschrieben, obwohl es im Deutschen eine ähnliche Abkürzung gibt (Nr.). Mit ein paar anderen Tricks des Übersetzers kamen schnell ein paar Extrazeilen zusammen. Zum Beispiel keine wörtliche Übersetzung an manchen Stellen, obwohl dies möglich gewesen wäre, sowie ein Dokumentdesign, welches sich zwar am Original orientiert, aber zu finanziellen Gunsten des Übersetzers abweicht.

Tipp #4: Lasst euch beim Übersetzer schriftlich geben, dass ihr einen Kostenvoranschlag haben wollt. Ich hatte mündlich darauf hingewiesen, was jedoch ignoriert wurde. Versucht nach Möglichkeit, schon im Vorfeld Tricks zur künstlichen Verlängerung des Textes auszuschließen.

Das Ergebnis eines langen und teuren Hürdenlaufs

Auch das Standesamt hat natürlich noch mal die Hand aufgehalten und 50€ einkassiert. Wofür bezahlen wir eigentlich Steuern, frage ich mich bei Ämtern nur allzu oft. Denn im Endeffekt hat der Standesbeamte nur den Namen, die Adresse und Familienstand meiner Verlobten in ein vorgefertigtes Dokument eingetragen, ausgedruckt, gestempelt und unterschrieben. Ein Vorgang von weniger als fünf Minuten, den sich das Amt mit 40€ bezahlen lies. Dazu noch eine internationale Geburtsurkunde von mir für weitere 10€. Zur Erinnerung: Die gab es in der Türkei kostenlos!

Rechnet man nun alle Ausgaben zusammen, kommt man in unserem Fall auf 220€, von denen wir 100€ auf jeden Fall hätten sparen können. Je nach Übersetzungsbüro vielleicht noch mehr. Und ja, eine Hochzeit ist teuer und anstrengend. Aber dass schon das erste Dokument wochenlangen Stress und aus dem Fenster geworfenes Geld einfordert, verdirbt uns ein wenig die Stimmung. Zurück in Istanbul konnten wir uns dann aber endlich den schöneren Aufgaben widmen. Die Location am Meer, die Gestaltung der Einladungskarten und die Auswahl der Musik heben unsere Stimmung deutlich. Wir hoffen, dass anderen binationalen Paaren die Fallen der Bürokratie erspart bleiben. Eine Hochzeit ist schließlich mehr als nur Papierkram.

Bevor Navid und seine Verlobte die Bürokratiefalle meistern mussten, gab es eine viel schönere Veranstaltung: die Verlobungsfeier. Lest hier, wie Navid seine “Probehochzeit” erlebt hat.

Text und Bilder: Navid Linnemann
Redaktion: Judith Blumberg