Manche sagen, es gilt die Heimat zu bewahren und zu schützen. Andere sagen, es gibt sie gar nicht. Und wieder andere fühlen sich heimatlos, also als fehlte ihnen diese Heimat. Was bedeutet dieser Begriff überhaupt?  Gibt es eine klare Definition von Heimat? Oder ist das ein Wort so aufgeladen mit unterschiedlichsten Gefühlen, dass alle eigentlich eine andere Bedeutung dieses Begriffes im Kopf haben?

Wir waren mit der Leseperformance “Türkland” in zehn unterschiedlichen Städten in Deutschland unterwegs. Und wir haben nach Antworten auf die Frage gesucht: “Was bedeutet Heimat für dich?”. Von Stuttgart über Köln, Hamburg bis Berlin haben sich die Zuschauer*innen darüber Gedanken gemacht und ihre Definition von Heimat auf Postkarten geschrieben. Heraus gekommen ist ein ziemlich bunter Mix, der versucht zu fassen, was Heimat für unterschiedliche Menschen bedeutet. Hier haben wir einige ausgewählte Zitate aufgelistet.

Heimat: da wo ich geboren bin und lebe.

Ich habe keine, aber ich suche auch keine. Wichtig ist der Ort, wo man sich frei und glücklich fühlt.

Heimat ist, wo man man selbst sein kann, sich fallen lässt und genießen kann. Heimat fängt dich auf und lässt dich auch wieder ziehen, aber ist immer ein Ort, an dem man willkommen ist.

Heimat ist da, wo ich verstanden werde

Ernst Bloch: “Heimat: Was allen in die Kindheit scheint, und worin noch niemand war.”

“Hemşerim memleketi nıre?” Bu dünya bizim memleket demiş Barış Manço – “Landsmann, wo ist die Heimat?” Diese Welt ist unsere Heimat, sagte Barış Manço

Heimat war für mich zuletzt vor allem ein durch “Heimathorst” ideologisch kontaminierter Begriff. In meinem Alltagssprachgebrauch taucht er aber schon lange eigentlich nur ironisch, distanzierend auf. Ich sage lieber “zuhause”, das hört sich nicht so sehr nach einem erfundenen Ort an.

Huzur – Ruhe, Frieden

Heimat ist für mich ein Gefühl der Geborgenheit… das soziale Umfeld, die Familie, das Lieblingscafé…

Doğa – Natur

Wo ich ganz in Ruhe auf die Toilette gehen kann!!

 

Heimat
– in den Armen meiner Freund*innen
– Kartoffelpürree
– wo ich tief Luft hole

Doğdum, yaşadığım, arkadaşlarım var olduğu yer vatanımdır. Serbest yaşabildiğim yer vatanımdır – Der Ort an dem ich geboren bin, lebe und wo meine Freunde sind, ist meine Heimat. Der Ort, an dem ich frei leben kann, ist meine Heimat

Bazen huzun bazen sevincli duygular
Irgendie mag ich nicht immer wo ist deine Heimat gefragt werden. Her yer Haymatim! – Manchmal melancholische, manchmal glückliche Gefühle… Meine Heimat ist überall!

Heimat ist nicht woher wir kommen, sondern wonach wir unser ganzes Leben auf  der Suche sind.

Heimat ist ein innerer Ort, hauptsächlich bestimmt von der Kindheit aber auch durch Anerkennung als Erwachsener!

Heimat bedeutet für mich Geborgenheit. Ein Gefühl der Sicherheit und ein Raum, in dem man so sein kann und so akzeptiert wird, wie man ist. Heimat ist nicht unbedingt ein Ort für mich, sondern vielmehr ein Gefühl. Heimat sind für mich die Menschen, die mir dieses Gefühl geben.

Vielleicht müssen wir aber auch gar nicht immer nach der Heimat auf der Suche sein. Vielleicht sucht sie auch uns. Das zumindest ist der Ansatz in “Türkland”. Wir werden mit dem Stück auf jeden Fall noch weiter nach Antworten Ausschau halten. Am 13.11. in Berlin und dann am 23.11. und 24.11. in München. Wer Lust hat mit uns zu suchen, ist herzlich willkommen.

Bilder: Benjamin Post, Taner Bölük