“Das Leben spielt sich auf den Straßen ab”, sagte der Dichter, der ein schwarze Jacke mit einem roten Chapeau trug, und guckte mich an, wie eine Mutter ihren Sohn anschaut. Er zündete sich eine Zigarette an, zog einmal fest daran und setzte sich dann auf eine lange, eigenartige Sitzbank.

Während er da so saß, musste er plötzlich wieder an seine Liebe denken, die sich von ihm gnadenlos kurz vor der Hochzeit getrennt hatte. Es überkam ihm ein Zittern bei dem Gedanken, dass er sie nie wieder sehen würde und dass all seine Träume nun zu Ende geträumt seien. Er fühlte sich einer Schaukel auf dem Hof eines Kindergartens gleich, die nach der Mittagspause alleine pendelnd zurückgelassen wurde.

Sein Blick wanderte an der gegenüberliegenden Wand entlang, die mit einem überdimensional großen, merkwürdigen Vogel aus Graffiti besprüht war. “Was für ein Unsinn”, dachte er sich.

Wohin er auch schaute, der Schmerz seiner zerbrochenen Liebe schien ihn zu verfolgen. Er sah glückliche Ehepaare auf der Fähre, die Arm in Arm auf den Bosphorus schauten, und wendete ärgerlich seinen Blick von ihnen ab.

Und auch auf der Straße traf er die Liebe wieder. Doch trotzdem erschien ihm alles schmutzig und emotionslos.

Er ging zu Fuß weiter, um seinem Schmerz zu entkommen. Niemals zuvor hatten die Gebäude so dunkel und unbeleuchtet ausgesehen.

Und selbst die Galata Brücke hatte noch nie so trostlos gewirkt.

Er nahm einen kleinen Schluck von seinem Tee und fragte sich:

“Ist noch Tee übrig?”


Text und Bilder: Tolga Aksüt
Redaktion: Judith Blumberg