Cornelius Bierer ist Fotograf und Filmemacher aus Ulm. 2013 war er für ein Wochenende in Istanbul. Mit seiner Kamera. Und fing Bilder, Licht und Bewegungen ein. Der dabei entstandene Film zeichnet eine Atmosphäre der Stadt. Zeigt ihren Zauber, ihre Fülle, ihre Fremdartigkeit und faszinierende Sogkraft. Der Filmemacher bekommt des Öfteren Nachrichten von Einheimischen, die den Film mögen und meinen, er zeige Istanbul von einer besonderen Seite. Einer kommentierte unter dem Video: “Vielen Dank, ich habe meine Stadt wiederenteckt.”

Auf seiner Webseite zitiert Cornelius Bierer Henry David Thoreau: “It’s not what you look at that matters. It’s what you see.” Wir haben ihm zur Entstehung des Videoclips “Istanbul” und über das Filmemachen generell ein paar Fragen gestellt.

Was bedeutet Henry David Thoreaus Zitat für dich?

Cornelius Bierer: Das Zitat spricht für meinen Anspruch an die Arbeit, wie wahrscheinlich bei vielen anderen Fotografen und Filmemachern auch. Manche Menschen sehen einen bewölkten Himmel und stören sich daran, dass die Sonne wieder nicht wirklich durchkommt. Ein anderer blickt ihn sich möglicherweise an und denkt darüber nach, wie schön doch die einzelnen Sonnenstrahlen durch die dramatische Wolkendecke brechen. Wenn ich etwas filme, dann nicht wegen dem abgebildeten Objekt an sich, sondern mit einer Aussage im Hinterkopf, die ich damit treffen oder der Emotion, die ich dadurch vermitteln will.

Wie bist du bei deinem Film “Istanbul” vorgegangen?

Cornelius Bierer: Der Film über Istanbul entstand eigentlich völlig spontan und ungeplant. Ich bin über ein Wochenende nach Istanbul geflogen und entschied mich kurzfristig, nicht nur zu fotografieren, sondern auch ein paar Szenen zu filmen und dann zu schauen, was sich daraus zusammenschneiden lässt. Ich besuchte die berühmten Orte Istanbuls und wenn mich ein Bild visuell oder emotional angesprochen hat, habe ich es vorsichtshalber einmal aufgenommen. Am Ende kam eine Flut an Aufnahmen zusammen, und es war schwer, den Film auf eine massentaugliche Länge zu kürzen. Aber so lernt man natürlich, dass Planung bei einem Film sehr wichtig ist – man erspart sich einiges an Arbeit. Das war damals mein erstes filmerisches Rumprobieren mit meiner Spiegelreflexkamera. Vorher habe ich vor allem fotografiert.

Was hat dich an dem Medimum Film dann so begeistert?

Cornelius Bierer: Das Medium Film kann so vieles vereinen. Es ist ein Zusammenspiel aus Bild, Musik und gesprochenem Wort – je nach Film vielleicht auch nur zwei der drei genannten. Durch diese Vereinigung hat man ganz andere Möglichkeiten, Informationen oder Emotionen zu vermitteln. Mein persönlicher Slogan ist ja “telling more stories – with less words”. Damit will ich nicht sagen, dass in meinen Filmen kein gesprochenes Wort vorkommt. Doch mit einem gut gestalteten Film kann man in viel kürzerer Zeit Dinge vermitteln und braucht auch demensprechend weniger Worte, weil sich vieles durch das Zusammenspiel von Bild, Musik und gesprochenem Wort viel einfacher, schneller und oftmals auch ansprechender vermitteln lässt. Das bezieht sich auch wieder auf das Zitat von Henry David Thoreau: Mir ist es schon einige Male passiert, dass ich zu einem meiner Freunde gesagt habe, sie sollen doch einmal den Wolkenhimmel genauer betrachten, wie dramatisch die Sonne durch das riesige Wolkenbett bricht, und wie imposant und schön das eigentlich wirkt. Meistens bekam ich dann auf so eine Aussage die Antwort: “Stimmt, so ist mir das noch gar nicht aufgefallen.” Und mit meinen Filmen mache ich eigentlich nichts anderes.

Weitere Arbeiten von Cornelius Bierer könnt ihr auf seiner Webseite oder auf Facebook finden.