Bildliche Interpretation eines Gedichtes. Geschrieben von Neslihan Kanbur. Die Bilder von Maximiliane Wittek. Eine digitale Kooperation. Der physische Schnittpunkt ist die Türkei, ein Land, das für beide eine vertraute Fremde ist. Für Maximiliane momentan aus nächster Nähe. Für Neslihan aus der Ferne heraus.

Poesie und Fotografie: “Das sind zwei Dinge, die sich auf ihre Art ergänzen und ähnlich sind”, findet Neslihan. Es seien Kunstwerke, die im Betrachter etwas auslösen, doch wie der Betrachter diese Werke verstünde, das sei ihm selbst überlassen.  Beide sind Möglichkeiten, die Gefühlswelt des Menschen anzusprechen. “Sie kreieren Empfindungen, eine Atmosphäre”, erzählt Maximiliane. Der Reiz dabei ist das Unklare, welches dem Betrachter oder Leser die Freiheit gibt, sich in dem Werk selbst zu finden, oder sich emotional auf ganz andere Wege leiten zu lassen.

Neslihan schreibt Gedichte, weil sie gerade dieser Interpretationsfreiraum fasziniert. Und auch die Bandbreite an Stilmitteln, die möglich sind. Ein Richtig oder Falsch gibt es technisch nicht. “Für mich haben Gedichte gleichzeitig eine therapeutische Wirkung. Zum einen für den Dichter als Mittel der Verarbeitung. Doch auch für den Leser, dem es ein Denkanstoß ist, und der sich im Gedicht wiederfindet.”

Maximiliane hat in der Fotografie einen Weg gefunden, ihre Wahrnehmung auszudrücken. Ihre Fotos sind ein Schlüssel dessen, wie sie die Realität um sich herum interpretiert. Gerade jetzt während ihres Erasmussemesters in der Türkei, so erzählt Maximiliane, strömen die Eindrücke nur auf sie ein. “Hier treffe ich auf ganz andere Menschen und Energien, die mich inspirieren und produktiv werden lassen wie noch nie zuvor.” Und die Kamera ist das Werkzeug, mit dem sie diese Eindrücke verarbeiten kann. Maximiliane hat in Istanbul gleich ein neues Zuhause gefunden und hat vor, diese Beziehung mit Istanbul weiterzuführen. Eine Langzeit- und Fernbeziehung soll es sein. Die hat Neslihan schon von klein auf. Und verarbeitet die gelebte kulturelle Vielfalt in ihren Gedichten. Ein wiederkehrendes Element ist das friedliche Miteinander. Das Überwinden von psychischen Grenzen und den Grenzen im Kopf. Das Verständnis, dass Menschen über Kulturen, Religionen und Traditionen hinweg einander als Menschen erkennen sollten.

Genau an dieser Stelle sind Gedichte, ist die Fotografie frei genug, außerhalb dieser Grenzen zu denken. Diese beiden Arten der Kunst haben das Potential, Menschen Einblicke in andere Realitäten und Wahrnehmungen zu gewähren und dadurch neue Wege zu bereiten.

Hier nun Neslihans Worte und Maximilianes Bilder. Nicht nur ein medial grenzübergreifendes Gesamtkunstwerk, sondern auch physisch: Worte aus Düsseldorf und Bilder vom schwarzen Meer.

 

Hochtiefe Lebenswelle

Im Ozean der Gefühle ist es
tiefblau
ist die Stille der Welt – Nacht
die Angst übertönt
das Lied unserer Hoffnung
wir drehen auf
bis es wird überlaut
und raubt
die sanfte Stimme unserer Seele
– Zeugin der Liebe
um zu verwandeln
die liebesmüde Weltsphäre
in friedensvolle Atmosphäre.

 


Gedicht: Neslihan Kanbur
Bilder: Maximiliane Wittek