Die deutsch-türkische Freundschaft mit drei Worten beschreiben, das war der Einstieg der Veranstaltung “Von Isartürken und Bosporusmünchnern”, die am 12.Oktober 2017 in der Pasinger Fabrik stattfand und wahrscheinlich nicht zuletzt aufgrund der Aktualität des Themas von über 130 Gästen besucht wurde.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Frage: Wie steht es um die deutsch-türkische Freundschaft? Die Gäste der Runde waren neben MAVIBLAU der Alt-Oberbürgermeister Münchens Christian Ude, Journalistin der Süddeutschen Zeitung Deniz Aykanat und Architekt*innen Gabriele und Erdoğan Altındiş von Manzara Istanbul. Anna-Lena Koschig vom Bayern Forum der Friedrich Ebert Stifung moderierte die Veranstaltung. Mit im Boot waren außerdem die deutsch-türkische Freundschaftsförderation e.V. und die Pasinger Fabrik.

Die deutsch-türkische Freundschaft, so wurde am Abend herausgearbeitet, ist vielfältig, spannungsgeladen und an einem wirklich komplizierten Punkt – es bestehe momentan “viel zerschmettertes Porzellan”, so Alt-Oberbürgermeister Christian Ude. Und was deshalb nun am meisten gebraucht wird, ist ein umso stärkeres Aufeinanderzugehen und vermehrte Begegnung, Offenheit und auch eine ordentliche Prise Humor. Die brachte Journalistin Deniz Aykanat direkt mit, als sie aus ihrer deutsch-türkischen Kolumne “Die Isartürkin” vorlas und dabei in kurzen Ausschnitten deutsche und türkische Lebenswelten locker hinterfragte und auf Hindernisse und Chancen kultureller Begegnungen im Alltag, wie Vorurteile bei der Wohnungssuche, (Nicht-)Fasten zu Ramadan und das Wundermittel Olivenöl zu sprechen kam.

Dass Auseinandersetzung nicht nur in den Medien, sondern auch vor Ort – insbesondere in Istanbul – stattfinden sollte, dafür plädierten Gabriele und Erdoğan Altındiş und schilderten, in welchem Ausmaß diese zurückgegangen sei. Ungefähr 80 Prozent Rückgang bei Buchungen ihrer Ferienwohnungen lassen sich verzeichnen. Dabei sei gerade jetzt die Unterstützung der türkischen Zivilbevölkerung wichtig. Christian Ude sprach sich gegen die Reise in die Türkei aus und fand, man solle eher verstärkt in Deutschland Bande zwischen den Menschen knüpfen.

Für einen stärkeren Austausch machten wir uns natürlich auch stark, ob in Deutschland oder in der Türkei. Mit einem kleinen multimedialen Quiz beleuchteten wir verschiedene Aspekte des deutsch-türkischen Kunst- und Kulturaustausches in beiden Ländern und plädierten für eine diversere Darstellung deutsch-türkischer Beziehungen in den Medien und die verstärkte  Förderung von Kunst- und Kulturprojekten, die Begegnung auf Augenhöhe und mehr Raum für Dialog mit gegenseitigem Respekt füreinander möglich macht.

Letztendlich wurde durch die Diskussion klar, dass die deutsch-türkischen Beziehungen zur Zeit viele Baustellen haben, die es umso vehementer anzugehen bedarf. Und dass gerade die Kunst, und insbesondere an diesem Abend die Musik ein wichtiger Grundstein ist, der die Menschen näher zusammenbringen kann.

Pasinger Fabrik

Die Unterbiberger Hofmusikanten schlossen den Abend ab mit einem türkisch-deutsch-griechisch-arabisch-bayrischem Blas- und Bağlamakonzert, das so Einige zum Singen und Hüftenschwingen animierte.

Wir freuen uns sehr, Teil dieses Abends gewesen sein zu dürfen und hoffen auf baldige Wiederholung und Verstärkung solcher Abende, die Möglichkeit zu weiterem Austausch bieten.

Text: Marie Hartlieb
Bilder: Sinem Gökser, Pasinger Fabrik