Als wir mit Helena Akst von IstKon in Kontakt treten, steckt sie noch inmitten der Vorbereitungen für die nächste IstKon Student Exchange Conference in Konstanz. Jetzt ist es soweit und Studierende aus Istanbul und Konstanz kommen derzeit am Bodensee zusammen, um akademische Fragestellungen zu diskutieren und einen kulturellen Austausch zu erleben. Doch was genau hinter IstKon steckt, kann Projektkoordinatorin Helena Akst wohl besser erklären.

Die „IstKon Student Exchange“ Organisation ist… 

IstKon Student Exchange ist ein fachübergreifender Studierendenaustausch zwischen Konstanz und Istanbul, der ehrenamtlich von Studierenden der Universität Konstanz und der Marmara University unter dem Motto „Building Bridges“ organisiert wird. Das Projekt bietet einen Rahmen für einen freien, kulturellen und akademischen Austausch zwischen jungen Menschen und macht sich zum Ziel, diese Menschen zusammenzubringen und Vorurteile abzubauen, indem Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Kulturen kennengelernt und anerkannt werden.
Seit 2017 finden daher jährlich, abwechselnd in Konstanz und Istanbul, die so genannten IstKon Student Exchange Konferenzen statt. Helena von IstKon erklärt, dass dadurch bereits über 150 junge Menschen in ihrem aktiven Ideenaustausch unterstützt wurden und persönliche Verbindungen und Freundschaften zwischen jungen Erwachsenen beider Länder gestärkt werden konnten. IstKon möchte durch das Programm einen Austausch etablieren, der – unabhängig von politischen und kulturellen Differenzen – für gemeinsame Werte wie Weltoffenheit, Toleranz, Verständnis und Kommunikation steht. Das übergeordnete Ziel von IstKon ist der akademische Austausch zu Themen im Kontext der deutsch-türkischen Beziehungen sowie der persönliche und kulturelle Austausch zwischen den Teilnehmer*innen. Dadurch sollen nachhaltige Verbindungen zwischen beiden Universitäten und Ländern geschaffen und Freundschaften geschlossen werden. Die Teilnehmer*innen sollen außerdem durch ihre Erfahrungen auf den Konferenzen angeregt werden, ihre Perspektiven auf sich, ihr Herkunftsland und das Austauschland zu hinterfragen und so neue Einblicke und Erkenntnisse zu gewinnen. Letztendlich ist die Vision des Projekts, Verständnis und Toleranz zwischen Kulturen zu fördern, ein partizipatorisches und innovatives Umfeld zu kreieren und so inklusiv wie möglich zu sein.

Der Ursprung von IstKon…

Die Projektidee entstand im „International Relations Club” (IRC) der Istanbuler Marmara University, wo ein Austauschstudierender aus Konstanz während seines Erasmusaufenthaltes den Kontakt zu Istanbuler Studierenden herstellte. Der Vorschlag, einen Austausch zwischen beiden Universitäten zu organisieren, wurde von der Fachschaft Politik- und Verwaltungswissenschaft der Universität Konstanz im November 2016 begeistert aufgenommen. Daraufhin organisierten im Jahr 2017 mehr als 30 Studierende beider Universitäten die erste IstKon Student Exchange Konferenz in Konstanz. Im April 2018 folgte die zweite Konferenz in Istanbul. Aktuell befindet sich die dritte Edition des Austauschs in Planung. Sie wird voraussichtlich Ende Mai 2019 in Konstanz stattfinden.

Veranstaltungen und Aktivitäten von IstKon…

Studierende aus einer Stadt kommen für circa neun Tage in die Gastgeber-Stadt. 2019 wird es Konstanz sein. Während dieser Tage gibt es unterschiedliche Programmpunkte. Im Wesentlichen haben sie einen akademischen oder kulturellen Fokus. Das Besondere hierbei ist, dass alle Studierenden, die an diesem Austausch teilnehmen, zuvor an dessen Organisation beteiligt sind und die Inhalte der Konferenz ihren Interessen entsprechend mitgestalten können.
In den akademischen Programmpunkten setzen sich die Studierenden mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen in der Türkei, in Deutschland und der Welt auseinander. Nachdem in den letzten Jahren bereits über die Klimakrise, Globalisierung, die deutsch-türkischen Beziehungen, Migration und Religion diskutiert wurde, werden in diesem Jahr die Themen Demokratische Innovationen, Populismus und Gender thematisiert. Mittels Workshops, Planspielen und anderen Instrumenten informeller Bildung können Studierende sich auf kreative Weise mit diesen Themen auseinandersetzen. Zudem wird besonders jenen Studierenden, die zu Besuch da sind, die Möglichkeit gegeben, die Kultur des Gastlandes kennenzulernen. Daher organisiert IstKon unterschiedliche kulturelle Veranstaltungen, beispielsweise einen Ausflug zur Blumeninsel Mainau, eine Besichtigung der Altstadt von Meersburg oder den Besuch von Synagogen und Moscheen in Konstanz. Veranstaltungen wie ein Film- und ein Kunstabend finden ebenfalls statt. Highlight des kulturellen Programms ist die „Culture Night“, bei welcher typisch deutsche und typisch türkische kulinarische Spezialitäten sowie kulturelle Traditionen vorgestellt und ausgetauscht werden.

Möglichkeiten, sich selbst einzubringen, sind…

Um die Planung zu erleichtern, hat IstKon im letzten Sommer einen eigenen Verein, „Students Connecting Cultures“ (SCC) e.V., gegründet. Dieser zielt nicht nur darauf ab, dem Projekt eine rechtliche Grundlage zu geben, sondern versucht auch neue Austauschideen nach dem Prinzip von IstKon zu unterstützen. Falls also jemand an der Organisation eines weiteren Austauschs interessiert ist, der ähnlich wie IstKon konzipiert ist, oder falls Interesse an der unmittelbaren Unterstützung von IstKon besteht, können sich Interessent*innen direkt melden. Falls jemand über ausreichend finanzielle Mittel verfügt, gibt es natürlich auch die Möglichkeit das Projekt als Sponsor zu unterstützen. Zum anderen kann man sich bei IstKon auch inhaltlich im Rahmen der Konferenzen einbringen. Interessent*innen können sich dieses Jahr auf eine tolle Gesprächsrunde mit Martha Dudzinski, der Gründerin der Swans-Initiative in Berlin, sowie auf Gökay Sofuoglu, dem Vorsitzenden der Türkischen Gemeinschaft Deutschlands, freuen. Außerdem wird es eine Paneldiskussion zum Thema „Populismus” geben.

Besondere Momente im IstKon …

Für Helena von IstKon ist insbesondere das Wiedersehen immer wieder mit viel Freude verbunden. Da der Austausch eigenständig, über Grenzen hinweg und über viele Monate hin organisiert wird, lernen sich die teilnehmenden Studierenden der beiden Städte bereits bei der Planung in der Zeit vor dem Austausch kennen. Dadurch ist der erste Tag des Austauschs nicht nur eine Erfahrung des Kennenlernens, sondern auch ein Tag des Wiedersehens. Für Helena ist daher insbesondere der Tag der Ankunft der Studierenden in der Gastgeber-Stadt ein besonderer Moment. Nachdem monatelang das Programm organisiert, logistische Hürden geplant und Fragen hinsichtlich der finanziellen Belastung und Abdeckung in unzähligen Skype-Meetings geklärt werden und nur noch der „Feinschliff“ ansteht, freut man sich darauf alle Teilnehmer*innen und Freund*innen zu sehen, erklärt Helena. Ein weiterer besonderer Moment für das gesamte Projektteam war die Gründung des eigenen Vereins zur Unterstützung des Austauschprojekts im August 2018.

Interview: Max Baum
Foto: IstKon