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Ton an

Teilnehmende über ihre Visionen für die Zukunft, Gepäck aus der Vergangenheit und die Verwobenheit von Communities

Beim Audio-Workshop des Projektes “Wir sind #vonhier” 2022 kamen die Teilnehmenden in den Austausch zu Themen rund um Community Building und Zukunftsvisionen. Mit Mikrofon, Kopfhörern und Audiotools bestückt hat die Gruppe ein Werkstattgespräch geführt. Ausschnitte davon gibt es hier zum Nachlesen und -hören.

Hiromi: Communitybuilding, Empowerment und Zukunftsvisionen – das sind alles schon sehr große Worte, die wir gerne mit unseren Perspektiven füllen wollen. Lasst uns mit dem Überthema Zukunftsvisionen beginnen. Nach den zwei Workshoptagen und dem intensiven Auseinandersetzen mit dem Thema: Welches Bild habt ihr von einer positiven Zukunft? 

Serap: Eine positive Zukunft ist wirklich erst mal ein sehr krasser Begriff. Für mich ist eine positive Zukunft eine, in der ich mich auf jeden Fall glücklich befinden kann und keine Ängste habe, wie es irgendwie weitergehen soll. Eine Zukunft, die sehr zuversichtlich ist, wo ich weiß, dass es nicht nur mir gut geht, sondern auch allen anderen Lebewesen auf der Welt. 

Alex: Ich kann mich da anschließen:

Hiromi: Und was bedeutet Community für euch? Was seht ihr, wenn ihr die Augen zumacht und an Community denkt?

Seda: Ich verbinde mit dem Begriff Community Gleichgesinnte, bei denen man sich nicht erklären muss, man einfach den Menschen so akzeptiert, wie er ist. Dass wir nicht gegeneinander agieren, sondern miteinander und versuchen, diese Community festzuhalten. Und dass jeder willkommen ist, egal wie oder was er ist und woher er kommt. Community ist für mich vor allem etwas Buntes und nicht nur etwas Einseitiges.

Serap: Ich habe das Gefühl, dass das auch etwas sehr Fluides ist: Wenn ich zurückdenke, gibt es Communities, in denen ich drin war, drin sein wollte, wo ich jetzt sagen würde, das passt überhaupt nicht mehr zu mir. Und gleichzeitig, wenn ich noch weiter in die Vergangenheit zurückdenke, gibt es ja auch eine oder mehrere Communities, in die man reingeboren wird. Da hat Community für mich teilweise auch einen faden Nachgeschmack: Wo es Aspekte gibt, die mit mir assoziiert werden, die ich aber überhaupt nicht mehr akzeptieren würde oder wo ich sage, da möchte ich mich gegen auflehnen. Die Frage wäre dann natürlich: Bin ich dann trotzdem Teil der Community, wenn ich Kritik äußere oder geht man dann raus? Und wie identifiziere ich mich eigentlich, kann ich eventuell Teilaspekte aus den Communities rauspicken? 

Hiromi: Da sprichst du sehr gut diese ganz dünne Grenze zwischen Community und zu einer Gruppe zugeschrieben werden an. Es gibt sehr viele Arten von Communities und manchmal kommt diese Wahl der Community nicht so bewusst. Wie sieht eure persönliche, positive Zukunft aus und was wollt ihr aus eurer Vergangenheit dafür mitnehmen? Was ist in eurem Koffer für die Zukunft?

Seda: Meine positive Zukunft beinhaltet, dass man einfach glücklicher ist, zufriedener mit sich selbst, dass man in einen Prozess mit sich geht. Ich muss das Gefühl haben, mich weiterzuentwickeln.

Alex: Ich muss tatsächlich nochmal an unser Drei-Welten-Modell denken mit den unterschiedlichen Rollen: Meine Rolle im Privaten, meine Rolle in meiner Arbeit und meine Rolle in der Gesellschaft. Meine positive Zukunft sieht so aus, dass ich wirklich in all diesen drei Bereichen irgendwie eine Kongruenz spüre, von dem, was mir wichtig ist, dass ich meine Werte klar habe und in allen drei Bereichen nach ihnen handle.

Serap:

Hiromi: Was denkt ihr, das ihr noch für diese Zukunft braucht? Ihr habt gerade erzählt, was ihr in eurem Koffer mitbringt.  Aber was ist nicht im Koffer, was kommt von außen? 

Seda: Ich würde da auf der gesellschaftlichen Ebene antworten wollen: Ich glaube, mehr Sensibilisierung und weniger Egoismus, vor allem in Sachen Konsum. Wir Menschen tendieren dazu, immer unnötig zu konsumieren. In der Hinsicht darauf, was wir der Erde eigentlich damit antun, besteht noch viel Bedarf an Sensibilisierung und Aufklärungsarbeit. 

Serap: Es ist total wichtig, dass wir für die Zukunft verstehen, dass man immer wieder zwischendrin in die Vogelperspektive gehen und sehen muss, dass Communities miteinander zusammenhängen. Zu verstehen, wie vernetzt das alles ist. Ich glaube, wir müssen Komplexität zulassen. Wir müssen zulassen, dass es teilweise keine eindeutigen Antworten gibt. Mir fällt das manchmal sehr schwer, aber ich glaube, das bräuchten wir, um diese positive Zukunft gestalten zu können.

Hiromi: Ich finde diese Vogelperspektive auch sehr wichtig – und sie ist, denke ich, genau ein Teil von Sensibilisierung und Communitybuilding, weil unsere eigenen Augen dafür vielleicht manchmal nicht reichen. Zum Schluss würde ich euch daher auch noch fragen wollen: Mit welchen Menschen wollt ihr euch für die positive Zukunft umgeben, wer darf nicht fehlen? 

Alex: Ich merke immer, wie gut mir das tut, wenn ich mich mit Menschen umgebe, die differenziert denken, die einen weiten Blick haben, die anpacken, die mutig sind, mutige Ideen haben und die auch umsetzen. Das finde ich immer sehr inspirierend, holt mich immer ab und gibt mir so eine Zuversicht. Und von daher wünsche ich mir einfach mich weiterhin und noch mehr mit solchen Menschen zu umgeben. Gleichzeitig birgt das aber auch die Gefahr, in einer eigenen Blase auch zu sein. Daher finde ich es unglaublich wichtig, wirklich für eine Heterogenität zu sorgen, dass man sich als Bürger mit unterschiedlichen  gesellschaftlichen Schichten umgibt, auch um eine bestimmte Denkweise an Menschen zu tragen, die vielleicht sonst nicht so Berührung damit kommen – sei es im Bereich Nachhaltigkeit, Aktivismus oder politischem Engagement.

Foto: Marie Konrad

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und keiner mehr sucht