„Wir wollen euch heute den Alltag junger Menschen in der Türkei, vor allem in Istanbul, ein bisschen näherbringen und einige Einblicke in unser persönliches Umfeld geben“: So ging es am 6. November mit unserem Event „Dieses Land ist auch die Türkei“ auf dem Türkiye Reloaded Festival in der Pasinger Fabrik München los. Seit einiger Zeit stehen die politischen Entwicklungen der Türkei im Mittelpunkt der Medienberichterstattung. Darüber, wie der Alltag in Istanbul im Konkreten aussieht, wird nur wenig berichtet. Dies nahmen wir zum Anlass, um mit mitgebrachten verschiedenen Einblicken aus der Türkei eine Perspektivenerweiterung zu schaffen, indem wir uns nicht nur mit der einen politischen, sondern mit verschiedenen Realitäten auseinandersetzten.
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Mit dem bunt gemischten Publikum – jung und alt, deutsch, deutsch-türkisch und türkisch – ging es zunächst auf gemeinsame geschichtliche Spurensuche, die weitaus mehr ist als nur die Geschichte der Gastarbeiter*innen. Diese Spuren reichen bis in die heutige Zeit und kommen zum Beispiel in Form von Organisationen und Institutionen, die deutsch-türkisches Leben aktuell mit gestalten, zum Ausdruck (mehr dazu auf der MAVI-Map). Nach unserem Input ging es weiter mit dem „Faktenwissen über die Türkei“, bei dem das Wissen des Publikums gefragt war. Wir hatten Fakten beziehungsweise Unwahrheiten über die Türkei, zu Themen wie Yesilcam-Kino, Social Media-Verhalten, Frauenanteil von Professorinnen, vorbereitet und sind diesen Themen auf den Grund gegangen. Was hättet ihr auf diese Aussagen geantwortet? Die Türkei ist auf Platz sechs der meisten Facebook-User der Welt / Der Anteil an ProfessorInnen in der Türkei ist vier Mal größer als in Deutschland / In den 50er bis 80ern produzierte die Türkei nach Hollywood und Bollywood weltweit die meisten Filme – richtig oder falsch?
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Für das Event waren wir im Vorfeld in Essen und Istanbul unterwegs und wollten, um eine kleine Außen- und Innenperspektive zeigen zu können, wissen, was Leute über die Türkei denken und vor allem, wie junge Menschen in Istanbul leben. Wie gestalten sie ihren Alltag und wie nehmen sie die Türkei aus einer Innenperspektive heraus wahr? Schaut selbst:

Ein weiterer Teil des Abends war unsere Social Media Kampagne, die wir im Voraus auf der deutschen und türkischen MAVIBLAU Facebook-Seite gestartet hatten. Unter Angabe der Hashtags #MeineTürkei #BenimTürkiyem wollten wir von unseren Leser*innen erfahren, was sie persönlich mit der Türkei verbinden, was ihre ganz persönliche Türkei ausmacht. Das Resultat besteht aus diversen kleinen Anekdoten, in denen Solidaritätskonzerte, der LGBTI Pride March, Taxi-Fahrer und frischgepresste Orangensäfte vorkommen, aus Fotos, die das persönliche Türkei-Gefühl auf visuelle Weise ausdrücken, und sogar einem Musikvideo, das uns begeisterte.
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Auch für die Eindrücke, Erfahrungen und Meinungen des Publikums gab es an diesem Abend Raum. Mit dabei waren Menschen, die in der Türkei verwurzelt sind oder eine bestimmte Zeit ihres Lebens in der Türkei verbracht haben – einige aufgrund ihres Studiums oder ihres Türkischunterrichts an einer Sprachschule, andere als Kapitän oder Reisende in den 70er und 80er Jahren. Eine interessante Mischung, die für diversen Diskussionsstoff sorgte: Es ging um Themen wie Migration, Integration, Gesellschaft, politische Entwicklungen, Türkei-Anekdoten aus alten und aktuellen Zeiten sowie um lustige sprachliche Missverständnisse, die daraus entstehen können, wenn man als anfängliche Türkischlernende schonmal einen aşık çay (verliebten Tee) statt einen açık çay (hell aufgebrühten Tee) bestellt.

MAVIBLAU bedankt sich ganz herzlich bei allen Teilnehmenden, die den Abend zu einer besonderen Bereicherung gemacht haben, sowie bei der Pasinger Fabrik, die uns diese Möglichkeit des direkten Dialogs gegeben hat.

Konzept & Organisation: Marie Hartlieb, Tuğba Yalçınkaya, Neslihan Kanbur, Rebecca Meier
Moderation: Tuğba Yalçınkaya, Rebecca Meier, Neslihan Kanbur