Beim Fotoprojekt “İzlenim – Impression” von Eda Eriş trifft vieles aufeinander: Malerei und Fotografie, das Istanbuler Jetzt und das Europa des 19. Jahrhunderts, die Inszenierung der Realität und das natürliche Stadttreiben. Man ist gezwungen, sich beim Betrachten der Bilder durch die verschiedenen Ebenen von Beobachter und Beobachtenden zu wühlen. Die Fotografin erzählt uns, wie sie auf dieses ungewöhnliche Projekt kam.

Eda Eriş ist Fotografie- und Videokunststudentin an der Bahçeşehir Universität Istanbul. Nachdem sie eine Techniker-Ausbildung abgebrochen hatte, ist sie für ein Fotografiestudium nach Istanbul gezogen. „Das war eine Flucht in die Freiheit“, sagt sie. Seit sie sich mit Bildern und Darstellungen auseinandersetzt, kann sie sich nicht mehr von ihnen lösen.

Zwei Dinge verschmelzen für ihre Fotoreihe „İzlenim“: Die Leidenschaft für den europäischen Impressionismus des 19. Jahrhunderts und ihre, wie sie sagt, wirre Beziehung mit Istanbul. „Drei Jahre lebe ich nun hier und diese Stadt hat es immer wieder geschafft, mich zu überraschen.“ Istanbul pendelt für sie zwischen Chaos und einer charmanten Magie, sie selbst wandert inmitten dieser Gegensätze durch die Stadt. Diese Beobachtungen („izlenim“) hat sie in Form einer Fotoreihe festgehalten und mischt sie mit Werken aus dem Impressionismus („izlenimcilik“). „Die Werke, die ich für die Reihe ausgewählt habe, stellen überwiegend Leute dar, die nach draußen schauen, eben etwas beobachten. „Das Schwierige beim Fotografieren war, die Menschen nicht merken zu lassen, dass ich sie fotografierte. Ich musste ihnen schließlich ein Papier entgegenhalten und meine Kamera auf sie richten. Das war immer wieder eine Herausforderung”, erzählt Eda.

Es gibt mehrere lustige Situationen, an die sie sich erinnert. „Zum Beispiel hatte ich mir ein ganz besonderes Kunstwerk ausgesucht, das Werk „Étude de fesses“ von Felix Vallotton. Das wollte ich bei meiner nächsten Tour in Szene setzen. Allerdings stellt das Bild den nackten Po einer Frau dar. Ich wollte dieses Werk unbedingt verwenden, aber es war mir irgendwie auch sehr peinlich. Als ich versuchte, es inmitten einer Stadtszene zu fotografieren, kam eine Frau auf mich zu und fragte mich, was ich da machen würde. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, und bin einfach weggegangen.“

Edas Fotoserie wurde bereits bei BAU/Young Artists-„Metaforik“ sowie im Schneidertempel Sanat Merkezi ausgestellt. In ihrem nächsten Projekt will sie die Themen Stadterneuerung und Gentrifizierung ergründen.

Für uns hat Eda ihre Lieblingsbilder rausgesucht:

Text: Yasemin Bodur, Marie Hartlieb
Bilder: Eda Eriş