Istanbul krallt sich die Menschen, die ihrem Zauber verfallen. Und lässt sie nur schwer wieder los. Lässt sie staunen, atemlos werden, lässt sie grübeln, sich verheddern, sich ergeben und vor allem lässt Istanbul sie in Sehnsucht ergehen.  Daniel Wiegärtner ist bestimmt eines ihrer Opfer.
Daniel, Masterstudent des Studiengangs “Human Computer Interaction” der Universität Siegen, hat der Stadt einen Film gewidmet. Dieses Jahr wurde sein Film “Istanbul” mit dem “Goldenen Monaco” als bester Kunstfilm ausgezeichnet.


Gefilmt hat Daniel im Oktober und November 2013, als er eine Freundin besuchte, die in dieser Stadt Erasmus machte. Seine Kamera hatte er immer dabei,  seine Gastgeberin Hannah El-Hitami ließ sich von ihm filmen. Die Bilder sammelten sich auf seiner Kamera und als er zurück kam, spannte er über sie das Lied “Taro” von Alt-J und sie begannen, von Istanbul zu erzählen.
“Istanbuls Atmosphäre würde ich mit drei Worten beschreiben”, sagt er. “Sehnsucht, Melancholie und Wärme.” Die Sehnsucht ist vor allem eine Sehnsucht nach der Fremde, die sich in den Stoffen des Grand Bazars verfängt, durch das gleißende Abendlicht schwirrt und in den Gerüchen der Esswagen der Straßenverkäufer zu finden ist. Das Meer zaubert eine unbestimmte und ungreifbare Melancholie, die von Saz spielenden und trommelnden Straßenmusikern begleitet wird und Wärme, das strahlen sogar die Straßenhunde und -katzen aus, wenn sie sich in der Sonne baden.

Daniels Film übersetzt seine Gefühle für Istanbul in sehr starke und gleichzeitig feinfühlige Bilder. Das ist es auch, was für ihn Film bedeutet: “Es ist das Medium, mit dem ich mich ausdrücken kann. Ein Medium, mit dem ich die Ideen und Eindrücke in meinem Kopf anderen vermitteln kann.” Und Film ist für ihn gleichzeitig die Möglichkeit, die Menschen mit schönen Bildern in eine andere Welt zu entführen. Eine Welt, die sie noch nicht gesehen oder bisher anders gesehen haben.

 

Mit seinem Film “Istanbul” will Daniel Wiegärtner die Vielfalt, den Zauber und die Modernität der Stadt Istanbul zeigen und anderen Menschen näherbringen. Sie vielleicht motiveren, sich von der Sehnsucht anstecken zu lassen und auch auf Reisen zu gehen, auch nach Istanbul zu kommen. Und vielleicht werden sie dann genauso in den Bann der Stadt gezogen, wie Daniel es wurde.
Er zumindest sitzt nun in seinem Türkischkurs für Anfänger an der Universität Siegen und plant vielleicht bald ein Urlaubssemester in Istanbul. Sicher ist: Istanbul hat ihn und lässt ihn vorerst auch nicht wieder los.

Text: Marie Hartlieb
Bilder: Daniel Wiegärtner