Am Anfang des Jahres war Erol Afsin noch ein Schauspiel-Student. Heute, neun Monate später, hat sich für ihn viel verändert. Er spielt neben Hollywood-Stars und anderen, bekannten Schauspielern wie Til Schweiger. Wir haben mit Erol über seinen Erfolg, aufregende Dreharbeiten und  seine Liebe zur Schauspielerei und Istanbul gesprochen.

Du bist in der Türkei, in Adana geboren, bist mit 18 nach Deutschland gekommen und hast im Ruhrgebiet Schauspiel studiert. Nun lebst du in Berlin und bist oft in Istanbul. Wie ist es zwischen zwei Kulturen zu leben?

Erol: Es hat natürlich seine Vor- und Nachteile, in so vielen Kulturen und Städten aufzuwachsen. Ich glaube, ich habe ganz viel davon profitiert. Am Anfang war es für mich schwierig. Du kommst in ein neues Land, hast keine Sprachkenntnisse, keine Freunde, aber mit der Zeit wurde es dann besser und ich kann sagen, dass ich mich hier gut eingelebt habe. Ich bin oft in Istanbul und Adana, weil ich dort meine Familie und Freunde habe. Zwischen zwei Ländern zu pendeln, bereichert mich in vielerlei Hinsicht.

Wann hast Du dich für die Schauspielerei entscheiden? Gab es einen besonderen, entscheidenden Moment?

Erol: Ich erinnere mich daran, dass ich mit acht oder neun Jahren an einem Kino-Gebäude vorbei gelaufen bin und ein Bild von dem berühmten Schauspieler Şener Şen gesehen habe. Weil ich dachte, dass er dort hinkommen wird, bin ich in das Gebäude rein gegangen ohne eine Ahnung davon zu haben, was Kino überhaupt bedeutet. Die Dame an der Kasse hat mir erklärt, dass dort Filme gezeigt werden, die später ins Fernsehen kommen. Ich war begeistert, worauf hin sie mir ein Ticket schenkte. Ich fand die Atmosphäre im Kino sehr beeindruckend und glaube, dass dieser Tag meinen Wunsch Schauspieler zu werden, geprägt hat.

Welche Charaktere hast Du bisher verkörpert? Glaubst du, dass bei den Angeboten, die du bekommst, deine türkische Herkunft eine Rolle spielt?

Erol: Ich bin erst seit vier Monaten mit dem Studium fertig und habe noch nicht so viele Charaktere verkörpert, aber bislang habe ich fast nur Deutsch-Türken gespielt. Ich vermute, dass ich wegen meines südländischen Aussehens niemals einen “Deutschen” spielen werden darf. Aber wer weiß. Vielleicht wird sich das Verständnis davon, was Deutschsein bedeutet, im Film und Fernsehen auch noch ändern.

Im Tatort-Film “Nick Of Duty”, der als erster Tatort für das Kino produziert wurde und dort 2016 zu sehen sein wird, spielst du neben Til Schweiger die Rolle des Aykut. Kannst du uns darüber etwas erzählen?

Erol: Ich spiele einen humorvollen deutsch-türkischen Karikaturisten namens Aykut. Es ist meine erste komödiantische Rolle und meine erste Zusammenarbeit mit Til Schweiger. Er ist wirklich ein sehr angenehmer Mensch und wir haben uns sehr gut verstanden. Die Dreharbeiten haben wirklich viel Spaß gemacht.

Außerdem spielst du nun in der US-amerikanischen Serie “Homeland” mit, deren fünfte Staffel gerade in Berlin gedreht wird. Wie hat sich das entwickelt?

Erol: Mitten im Alltag wurde ich von der Casting-Direktorin angerufen und gefragt, ob ich am Casting für Homeland teilnehmen möchte. Zu dem Zeitpunkt war ich bereits Fan der Serie und dachte nur: “Wow, natürlich bin ich dabei!” Direkt am selben Tag sollte ich den Text auswendig lernen, eine Audition aufnehmen und abschicken. Eine Woche später habe ich die Zusage bekommen. Ich bin in sieben Folgen dabei.

Das ist eine große Erfahrung für mich. In jeder Episode arbeiten wir mit unterschiedlichen Regisseuren zusammen. Es ist für mich natürlich ein tolles Gefühl und eine gute Erfahrung mit Hollywood-Schauspielern und Oscar-Preisträgern wie F. Murray Abraham in einem Projekt zu arbeiten. Homeland sehe ich in meiner Schauspielkarriere als ein Goldstück.

Istanbul hat in deinem Leben einen besonderen Platz. Kannst du davon berichten?

Erol: Istanbul ist wie meine erste große Liebe. In der Schauspielschule hatten wir einmal die Aufgabe, uns unsere eigene Biographie auszudenken und diese zu spielen. Und ich kam dabei zu folgender Aussage, die ich immer wieder gerne wiederhole, und die für mich eine gelungene Biographie, ein gelungenes Leben ausmacht: Ich liebe eine Stadt, einen Beruf und eine Frau. Wenn ich diesen Beruf in dieser Stadt mit der Frau an meiner Seite ausüben könnte, wäre ich der glücklichste Mensch auf der Welt. Für mich ist der Beruf Schauspieler, die Frau an meiner Seite ist meine Mutter und die Stadt ist Istanbul.  Ich kann nicht genau sagen, was ich an Istanbul mag. Ich glaube es ist das Zusammenwirken mehrerer Dinge, wie alte Freunde, Erinnerungen usw. Irgendwie fühle ich mich immer wohl in Istanbul, Berlin will ich aber auch nicht missen.

Hast du schon mal eine türkischsprachige Rolle gespielt?

Erol: Ja, bislang nur eine kleine in dem Film “Mustang“. Er ist der offizielle Oscar-Beitrag aus Frankreich.

Erol Afsin wird in Zukunft weiterhin zwischen Berlin und Istanbul pendeln und sicherlich noch oft im Kino und Fernsehen zu sehen sein. Im Tatort-Kinofilm “Nick of Duty” wird man ihn 2016 sehen können. Die US-amerikanische Serie “Homeland” läuft aktuell jeden Sonntag auf “Showtime” in den USA. Die Ausstrahlung im deutschen Fernsehen folgt später.

Text: Neslihan Kanbur
Bilder: ACTORSgarden