Für uns ist die Welt nicht genug, sodass wir raumfahren. Vom einen Raum in den anderen, vom anderen in den nächsten – und wir finden uns an einem Rakı-Tisch wieder.

Alles ist verschwommen, fleckig und unklar – wie wenn ein Fisch die Welt aus den Augen des Menschen sieht.

Der luftleere Raum in der Meyhane hebt uns ab auf eine Reise außerhalb unserer Umlaufbahn.

Die Maschinen sind angestellt, der Tisch gedeckt.

Der Brennstoff ist bereit… Die Sorgen… bereit… Die Traurigkeit, die Freunde… bereit…die Melancholie… schon vorhanden.

…3 … 2… 1… Jetzt starren wir ins Leere…

Wir sind ahnungslos und schwimmen mit dem Strom… Wörter und Sätze sind schwer zu verstehen – oder kann man sie nicht mehr hören, weil wir der Gegenwart bereits zu fern sind?

Die Kultur spricht zu uns: Man trinkt Rakı mit oder ohne Wasser. Aber jeder weiß, je melancholischer der Mensch, desto weniger Wasser. Das ist die Goldene Regel des Rakı-Trinkens.

Und was gibt es zum Essen?

Rakı trinkt man am Besten zum Fisch.

Wenn der Hunger nicht allzu groß ist, passen auch die Vospeisen (Meze). Vorspeisen haben wir viele:

Salat mit Zwiebeln, Tomaten, Bohnen.

Wassermelonen und andere Früchte.

 

Ein Rakı ohne Meze ist wie ein Döner ohne Soße.

Er wird bei uns auch “Aslan-Sütü “ genannt – “Löwenmilch “.

“Warum ?”, fragst du den Usta (“Meister”).

“Usta, wie trinkt der Mensch seinen Rakı?”

Der Meister: “Wie ein Mann!”

Ein Rakı-Abend beginnt am Tisch… und er bleibt am Tisch. All die Erinnerungen, in die wir unseren Herzschmerz gesteckt haben, wurden hier erzählt und dagelassen…

Die Freunde, die Unterhaltung und die Tränen. Diese Tradition wird erlebt.

 

Lass uns trinken!

İçelim Güzelleşelim!

Text & Bilder: Tolga Aksüt
Redaktion: Yasemin Bodur