Jeder kennt sie, diese Katastrophen der deutschen Musikszene und ihre Videos: Die DJ Ötzis, Alexander Marcusse und Money Boys. Sie sind grausig und großartig zugleich. Man kann nicht wegschauen, und muss bis zum Ende durchhalten. Mit einem Bier in der Hand und ein paar alten Klassikern beigemischt sind sie dann doch irgendwie erträglich, bis sie am nächsten Morgen wie ein schmerzhafter Kater noch immer in den Ohren jaulen und die Bilder ihrer Musikvideos vor den Augen flimmern. Auch in der Türkei gibt es ihn, diesen schmalen Grat zwischen Totalausfall und Klassiker. Hier eine kleine Auswahl:

Mit flottem Hüftschwung besingt Tarık Mengüç eine der allerliebsten Vorspeisen (meze) der Türk*innen: Şakşuka, Auberginenpfanne mit Kartoffeln, Tomaten, Zwiebeln und natürlich(em) Olivenöl.

Bei seinem mittlerweile recht veralteten Song “Ben Sizin Babanızım”  gehen die Meinungen über Barbaros Hayrettin und dem Sinn seines musikalischen Stücks weit auseinander. Übersetzt heißt der Song “Ich bin euer Vater”… Weniger als eine Anlehnung an Darth Vader bedeutet es so viel wie “Ich bin euer Herr”. Nur die künstlerische Freiheit kann wahrscheinlich erklären, inwiefern der Clip mit der Aussage des Songs zutun hat…

In dem Klassiker “Bekar Gezelim” (sowas wie: “Lasst uns single umherspazieren”) von der erfolgreichen Band Grup Laçin geht es um die ewigen Junggesellen im Dorf, die Jahr für Jahr vergeblich auf eine gute Partie warten…

Von wegen prüde Türkei! Diese sehr bekannte Platte von Sevil Öztatlı stammt bereits aus den 40ern. Die Freude, die sie beim Singen der drei Wörter verspüren muss, ist unüberhörbar…

Ismail JK – der hippe Superstar aus Hamm in Deutschland  mit inspirierenden Videos holt hier im Bezug auf Storytelling alles heraus. Ein paar kleine Spoiler: Liebe über Facebook finden und die Welt in hochwertig animierten Wasser-/Feuer-/Hubschrauber-Aktionen retten.

Ja okay, es geht um Bananen… Aber was tun die Radieschen da?!

Von wegen immer Istanbul! Dieses Lied widmet Bülent Serttaş mit viel Elan und gekonntem Hüftsprung der Hauptstadt und dem Herzen der Türkei. Bemerkenswert: Die berauschend schön inszenierten, leichte Desorientierung hervorrufenden Landschafts- und Stadtaufnahmen und die Social Media affinen Studio-Sequenzen. Und alle: Angaraaa.

Und zum Schluss nochmal ein Klassiker: “Hadi Hadi” von Fatih Ürek darf auf keiner guten türkischen Party mit viel Rakı, meze und Tanz fehlen.

Damit viel Spaß bei der nächsten Party!

Text: Yasemin Bodur
Redaktion: Jonas Wronna