Kunst muss man nicht nur in der Galerie betrachten und sich dabei auch noch die Beine in den Bauch stehen. Das dachten sich Sarina Lux, Jannike Bohlen, Laura Lauterbach und Anika Schiewe, vier Studentinnen der Universität Oldenburg, und initiierten das Kulturcafé [Ohne Titel]. Die Kunstveranstaltung findet seit 2014 zweimal jährlich im Polyester, einem Tanzklub in Oldenburg, statt. Hier können sich die Besucher mit Kunstwerken von jungen Künstlern auseinandersetzen und das ganz gemütlich zu Kaffee und Kuchen.

“Gerade für junge Künstler ist es schwierig, in die Oldenburger Kunstszene einzusteigen und ihre Werke einer breiten Masse zu präsentieren. Wir wollten das mit dem Kulturcafé möglich machen”, erzählt Sarina. Das Polyester – von Nachteulen liebevoll Poly genannt – kommt für diesen Zweck als Veranstaltungsort wie gerufen. Es ist ein eher entspannter Treffpunkt für die nächtliche Studentenschaft: Mischpult und Tanzfläche stehen zwischen Couchtischen mit Spitzendeckchen und alten Sesseln, die einem die Wahl zwischen stundenlangem Schwätzen (oder norddeutsch „Klönen“) und dem ausgiebigen Abfeiern bieten. Für das Kulturcafé öffnete der Klub auch am Sonntagnachmittag. Am 22. November hatten Besucher wieder die Möglichkeit, sich bei Kaffee und Kuchen mit den sorgfältig in die Einrichtung des Polyesters integrierten Kunst- und Kulturprojekten auseinanderzusetzen. So hatte man als Besucher den Eindruck, man würde zur Kaffeezeit im Wohnzimmer eines Kunstliebhabers aus den 70ern sitzen.

Dieses Jahr war auch MAVIBLAU dabei. Obwohl unser Beitrag inmitten der Kunstgemälde und Installationen etwas aus der Rolle fiel, konnten die Inhalte des Online-Magazins einen Platz im diesjährigen Kulturcafé für sich gewinnen. Aber was macht das Istanbuler Magazin eigentlich in der kleinen niedersächsischen Großstadt?

Ein Teil unserer MAVIBLAU-Redaktion absolvierte von der Universität Oldenburg aus ihr Auslandssemester in Istanbul. Mit dem Kulturcafé konnten wir nun ein Stück Istanbul zurück nach Oldenburg bringen. Wir stellten Videos über Istanbul von Katharina Matzkeit und Marie Hartlieb aus, sowie den Film über das deutsch-türkische Theaterstück “Almanci“. Auf drei Fototafeln zeigten wir Eindrücke aus Istanbul: Mit den „Momentaufnahmen“ von Charlotte Schmitz konnten die Besucher in noch unberührte Ecken von Istanbul tauchen, die Straßenkinder von Jane Katharina di Renzo warfen ein Licht auf die eher unbeachteten Bewohner der Straßen. “Workers of Istanbul” von Sandra Krüger gewährte einen Einblick in ungewöhnliche Arbeitsbedingungen. Die Schnappschüsse „sonderbare Ecken“ zeigten den Gästen des Kulturcafés, dass Sinn und Logik in der Millionenmetropole nicht immer anwesend sind.

Neben MAVIBLAU stellten noch Oliver Klaassen, Nora Roggausch und Linda Günther ihre Werke aus.  „Wir wollten das Kulturcafé nicht zu vollpacken. So passt alles noch ins Gesamtbild des Polyesters, und man soll sich ja auch mit den Werken auseinandersetzen“, erklärt Mitveranstalterin Laura und fügt grinsend hinzu: „Deshalb auch mit Kaffee und Kuchen!“ Für das große Kuchenbuffet backten die drei Studentinnen übrigens acht Stunden lang. Das Kulturcafé finanziert sich hauptsächlich aus den Spenden der Kuchenkasse.

Der Abend wurde mit einer Akustikeinlage von Reptile Expression beendet. Die Band, die sich selbst als Kreativprojekt betitelt, das Musikern mit unterschiedlichen Interessen eine Plattform zum Austausch und zum gemeinsamen Musikmachen bietet, trat dieses Mal als Trio aus Cajon, Gitarre und Gesang auf. Die Kulturcafébesucher konnten zu gemütlichen Akustiktönen ihre Kuchenrationen verdauen. „Im April soll das nächste Kulturcafé stattfinden“, sagt Sarina, „Es nimmt langsam seinen festen Platz in Oldenburg ein.“ Und wir von MAVIBLAU würden uns natürlich freuen, wieder mit dabei zu sein.

 

Text: Yasemin Bodur, Jonas Wronna
Bilder: Yasemin Bodur