Kerim erklärt die Welt der Deutschen. Diesmal: au|then|tisch


Ultimatives Kriterium für sämtliche als wertvoll erachteten Erlebniswelten. So gut wie alles im Leben deutscher Großstädter muss authentisch sein: Filme, Theaterstücke, Kunstwerke, Bücher. Wegen des enorm hohen authentischen Anteils erfreuen sich iranische Problemfilme und Biographien geknechteter Orientalinnen und Afrikanerinnen besonderer Beliebtheit. Auch in Freundschaften und Beziehungen gilt das Diktat des Authentischen. Nur wenn die Liebe des Partners als authentisch empfunden wird, kann sich eine Deutsche „fallen lassen“ und trotzdem „ganz bei sich selbst“ sein. Solange das Erlebte echt authentisch wirkt, sind alle anderen Qualitätsmerkmale völlig zu vernachlässigen. Als Faustregel gilt: Je dünner das Gelebte, desto wichtiger wird das authentisch Erlebte.

Aus Kerim Pamuks Buch “Allah verzeiht, der Hausmeister nicht”.

Text: Kerim Pamuk
Illustration: Eva Feuchter